Z’Ubunti 2015

Erschienen am 22. April 2015 in Bericht

Matthias

ist bei der AG Netzstecker mit dabei und postet hauptsächlich Inhalte für die Rover.

 

Passau/Südafrika: 26. März – 13. April 2015

Nach monatelanger Vorbereitung und Vorfreude, Arztterminen und Apotheken-Shopping, Diskussionsrunden und gut gemeinten Ratschlägen von Freunden und Verwandten ging es endlich los! Am 26. März trafen sich 26 Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus der Diözese Passau, um gemeinsam von München aus Richtung Südafrika zu starten.

Doch um uns quasi schon auf jegliche Unwägbarkeiten vorzubereiten, machte uns unser Flugzeug einen Strich durch die Rechnung. Die eigentliche Abflugszeit wurde auf Grund von technischen Defekten verschoben. Erst eine Stunde, dann noch eine, dann gab es bereits Gutscheine für warmes Essen – wir wussten, das war kein gutes Zeichen – bis schließlich der Flug gecancelt wurde. Wir sahen uns schon am Flughafen übernachten, doch wir wurden zu einem Hotel in Aschheim gebracht. Dort hieß es weiter warten und warten, bis wir schließlich am 27. März um 18.30 Uhr das Flugzeug betreten konnten – mit 28 Stunden Verspätung.

Übermüdet, es noch nicht einmal glauben könnend und mit ersten Schwächeanfällen beschäftigt machten wir uns vom Flughafen in Johannesburg auf zu unserem ersten Ziel nach Witbank. Das Haus von Familie Sulter, in dem wir von Jane und Graham – den Leitern vom Pfadfinderstamm „1st Passau“ – mit einem reichlichen Abendessen begrüßt wurden. Ihr Sohn Brian zeigte uns anschließend unseren ersten Übernachtungspunkt, die Scout Hall der Gruppe „2nd Coalfields“.

Lange blieben wir dort aber nicht. Bereits am nächsten Tag nach dem Frühstück teilte sich die Gruppe in drei Kleingruppen auf, um die nächsten 4 Tage in verschiedenen Projekten zu gestalten. Eine Gruppe blieb in Witbank, eine fuhr nach Elohim und eine nach Lillydale.

Die Projektgruppe in Witbank konnte deshalb erst einmal einen halben Tag ohne Programm genießen, da sie ja keinen Anfahrtsweg mehr hatten. Dafür ging es abends gleich wieder rund her. Gemeinsam mit Jane besuchten sie in der New Life Church das Konzert einer christlichen Rockband, das sich zu einer Art Gottesdienst entwickelt hatte, indem der Priester die Menschen mit einer Begeisterung mitgerissen und uns teilweise etwas verstört hatte. Anschließend wurden die Passauer auf Gastfamilien verteilt, von denen sie sehr herzlich empfangen wurden.

    WitbankDinner

LittleBlessings

Die Projektgruppe hat die nächsten Tage gemeinsam mit den Pfadfinderleitern von „1st Passau“ einen Vormittag für 2-5 jährige Kinder gestaltet, die Zäune der Schule in Kwaguqua gestrichen und eine kleine musikalische Aufführung in einem Altenheim gemacht. Für die Bewohner des Altenheims haben sie am Tag zuvor Lavendelsäckchen genäht.

Währenddessen bei der Projektgruppe in Elohim: Beim Projekt in Jeppe’s Reef wurde gemeinsam mit Lehrern und Schülern der Elohim-Schule ein Gemüsegarten angelegt sowie an der Umzäunung und der Bewässerungsanlage gearbeitet. Auf dem neuen Schulgelände – dort entsteht auch gerade ein ganz neues Schulhaus – wurde eine ganz schön große Fläche umgegraben und ausgejätet. Unter der Anleitung von Samson, einem erfahrenen Gärtner, wurden dann einige Beete angelegt, in die die Setzlinge eingepflanzt wurden.

Wenn alles gut gedeiht, können schon bald alle Tomaten, Spinat, Kohl und Salat aus dem eigenen Garten in der Mittagspause essen. Bei der Pflege der Pflanzen lernen die Schüler auch direkt am Objekt, wie man Gemüse anbaut.

ElohimAcker

Nach zwei Tagen harter Arbeit gönnte man sich dann auch noch einen entspannten Tag (zumindest die Meisten ;)): Auf einer gemeinsamen Wanderung erkundete man die Bergwelt rund um den Ort. Der Abend bot dann ein „International Dinner“ mit südafrikanischen und bayerischen Leckereien und eine traditionelle Tanzeinlage der Gastgeber, die Allen (aber besonders Max) sicher noch sehr lange in Erinnerung bleiben wird.

ElohimGeschenke

An dieser Stelle wollen wir Christian (Freiwilligendienstler im Scout Center in Nelspruit) und BJ (Organisator des Projekts für Nangu Thina) noch einmal von ganzem Herzen danken. Ohne sie wäre diese tolle Erfahrung nicht möglich gewesen. [von Matthias Schickinger]

Zugleich beim Chor-Projekt in Lillydale: Um zum Chor in Lillydale zu kommen hilft ein Navi wenig weiter. Stattdessen braucht man 1. einen Pfadfinder vom Scoutcenter, 2. einen Pfadfinder aus Huntington und 3. ein strapazierfähiges Auto. Wir fuhren also über Mbombela, dort gesellte sich Felix, einer der Freiwilligen, zu uns. An einer Straßenkreuzung hinter Hazyview waren wir dann mit Excellent verabredet, der uns voraus fuhr. Ab dann war es eine sehr ruckelige Fahrt – African Massage nennen sie es dort, wenn alle Insassen schön durchgeschaukelt werden.

In Lillydale angekommen ging‘s erstmal zur Baustelle. Der Youth in Action Chor baut gerade ein neues Gemeinde-Zentrum. Dort konnten wir beim Verputzen, Weißeln und Fenster einsetzen helfen. Es hat Spaß gemacht, gemeinsam an einer Sache zu arbeiten, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten unserer Kulturen kennen zu lernen und Freundschaften zu schließen.

YIA_Fenster

GumBootDance

Richtig umwerfend war schließlich die Aufführung des Chors. Der Moment, in dem die Stimmen loslegten, war Wahnsinn. Die Musik – A Capella und ohne Verstärker – erfüllte den ganzen Raum und brachte alles zum Schwingen. Alle Gospel-Chöre in Deutschland könnten wahrscheinlich keine derartige angenehme Lautstärke zusammen bringen. Ebenso interessant war es, die traditionellen Tänze mitzuerleben. Mit Trommeln und Gesang wurden diese aufgeführt und bei einigen Elementen durften wir sogar mittanzen.

Sehr beeindruckend waren auch der Zusammenhalt im Dorf und die Gastfreundschaft, mit der wir umsorgt wurden. Ein sehr großer Dank geht an Excellent, Ennok und Patricia und an Felix. Vielen Dank, dass wir diese außergewöhnliche Erfahrung machen konnten. [von Magdalena Dobler]

Nach der sehr intensiven Projektzeit hat sich die ganze Gruppe bei einem gemeinsamen Zeltlager – dem International Camp – mit den Pfadfindern von „1st Passau“ wiedergetroffen. Trotz strikten Plänen konnten wir feststellen, dass in Südafrika nicht immer alles genau nach Plan abläuft. Außer das Wecken um 6.00 Uhr und der Morgensport um 6.30 Uhr.

Wir wurden dieses Mal zusammen mit den südafrikanischen Kindern auf drei Gruppen verteilt und hatten verschiedene Aufgaben zu erledigen, wie Lagerbauten oder Flöße bauen. Auch das Campfire wurde gemeinsam gestaltet. Das lässt sich nicht mit einem gemütlichen Lagerfeuerabend von deutschen Pfadfindern vergleichen. Das Campfire ist eine kleine Veranstaltung, die höchstens eine Stunde lang dauert und von einem Pfadfinder angeleitet wird. Dieser sagt an, welche Gruppe als nächstes welchen Tanz oder welches Lied gestaltet, so dass die ganze Zeit mit Musik gefüllt ist. Auch die Kleinsten dürfen dabei sein, denn danach gehen alle ins Bett.

ScoutCampGroupPhoto

Nach der ersten Zeit der Begegnung haben wir uns wieder als gesamte Gruppe aufgemacht und sind nach Nelspruit gefahren. Dort haben wir in einem ScoutCenter geschlafen, in dem die drei Freiwilligen Christian, Felix und Erik arbeiten, die uns bereits zuvor begleitet hatten.

Von dort aus sind wir zum Krüger-Nationalpark gefahren, in dem wir uns 3 Tage lang aufgehalten haben. Bestimmt für viele als ein Highlight erwartet, genauso behaftet als größtes Malaria-Risikogebiet von unserem Aufenthalt. Deswegen hieß es langärmelige Kleidung, Mückenspray und Moskitonetze, um sich vor den kleinen Biestern zu schützen. Soweit wir wissen, lief alles gut.

Wir sind durch den Krügerpark mit unseren Kleinbussen gefahren. Auch wenn viele diese Zeit eher schlafend verbracht hatten, gab es noch ein paar wache Menschen mit guten Augen, die den Anderen die Chance ermöglichten, die Wunder der Natur zu bestaunen. Dadurch haben wir jede Menge Tiere gesehen. Von Elefanten über Giraffen, Zebras, Nilpferde, Nashörner, Alligatoren, seltenen Vögeln, Affen, Impalas (eine Art Rehbock, die Mäcci-Tiere des Parkes, da es so viele gibt, dass sie als FastFood für die Fleischfresser dienen) bis hin zu 4 Löwinnen, die seelenruhig um unser Auto spaziert sind.

KNP_Giraffe

SimonUndLöwe

Nach der Zeit im Krügerpark haben wir einen ruhigeren Tag eingelegt, an dem alle verschiedene kleine Tagesreisen unternommen haben. Eine Gruppe machte sich auf nach Barbeton, einer Stadt in der Nähe, um einerseits die Stadt anzusehen oder ein wenig Wandern zu gehen. Eine andere Gruppe war sehr sportlich und ging raften. Die dritte Gruppe konnte die Sudwala Caves bestaunen und anschließend im Jane Goddall Institut sehen, wie dort Schimpansen aus schwierigen Situationen aufgenommen wurden und versorgt werden. Abends wurden wir von den zuständigen Pfadfindern der Region bekocht und bekamen das offizielle Halstuch der Mpumalanga-Region geschenkt, das man sich nur verdienen kann. Das war eine große Ehre.

Am nächsten Tag haben uns die Freiwilligen die Panorama-Route gezeigt. Dabei fährt man zum Blyde River Canyon (drittgrößter Canyon der Welt), den Pottholes (Wasserstrudel), den Mac Mac Falls (Wasserfälle) und zum Mittagessen zu Harry’s Pancakes.

Danach hieß es bereits wieder Abschied nehmen von den Freiwilligen und Nelspruit und wir sind noch einmal für einen halben Tag zurück nach Witbank gefahren, da dies auch näher am Flughafen liegt. Unseren letzten Abend haben wir genutzt und ein Grillfest organisiert um dem Stamm „1st Passau“ für die unglaublich gastfreundliche Aufnahme zu danken. Wir haben noch gesungen, getanzt und den letzten Abend gemeinsam genossen. Denn am nächsten Tag ging es zum Flughafen und wieder Richtung Heimat. Dort landeten wir am 13. April wohlbehalten, aber doch ein wenig geschlaucht in München.

Nun liegt unser Abenteuer schon etwas Zeit zurück, doch die Erinnerungen und Erfahrungen, die wir alle gesammelt haben, werden uns noch lange begleiten.

Nachdem wir alles reflektiert, verarbeitet und jedem davon berichtet haben, der etwas davon hören will, heißt es aber wieder zusammensitzen und weiter planen. Denn wir wollten von Anfang an, dass unsere Begegnung nicht nur einfach verläuft, sondern dass uns die Südafrikaner auch in Deutschland besuchen werden. Angedacht ist momentan nächstes Jahr im Sommer. Bis dahin muss aber noch vieles getan werden.

An diesem Punkt möchte ich mich noch ganz herzlich bei unserem Vorbereitungsteam bedanken, die es in Angriff genommen haben, diese unglaubliche Reise zu planen.

 

Franziska Eber

(Stamm Salzweg)

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